Die Industrie hat ihre Selbstverpflichtungen zum CO2-Ausstoß nicht eingehalten. Nach jahrelangen Drohungen greift die Europäische Union zum Schutz des Klimas im Verkehr ein. Nun werden verbindliche Grenzwerte festgelegt. Sollten diese nicht erreicht werden - was zu erwarten ist - gibt es Milliardenstrafen für die Autobranche. Insbesondere deutsche Hersteller der Luxusklasse sind betroffen. In der Folge könnten Autos durchschnittlich um 1300 Euro teurer werden - bei gleichzeitig sinkendem Spritverbrauch.
Allerdings müssen die einzelnen Mitgliedsstaaten den Plänen der EU-Kommission noch zustimmen. Diese haben aber alle das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, und sollte dieses nicht eingehalten werden, müssen die Staaten und somit die Steuerzahler noch viel höhere Strafen zahlen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission noch weitergehende Pläne.
Neuwagen dürfen ab dem Jahr 2012 höchstens noch 120 g/km Kohlendioxid emittieren. Dabei sollen die Motoren der Fahrzeuge höchstens 130 g/km ausstoßen. Die restlichen zehn Gramm sollen durch andere technische Innovationen am Fahrzeug - etwa Leichtlaufreifen - erreicht werden. Der Kommissionsvorschlag sieht vor, dass ein Fahrzeug mit dem doppelten Gewicht eines Kleinwagens um nur 60 % mehr CO2 ausstoßen darf. Ziel ist es, dass Neuwagen bis 2012 in der EU um knapp ein Fünftel (19 %) weniger CO2 abgeben als heute.
Der Grenzwert gilt nicht für jedes einzelne Auto, sondern muss im Durchschnitt der gesamten Fahrzeugflotte eines Herstellers erreicht werden. Da größere Wagen mehr CO2 abgeben, müssen ihre Emissionen vergleichsweise stärker reduziert werden als bei kleinen Autos. Der Wert soll für alle in der EU zugelassenen Neufahrzeuge gelten, also auch für die importierten.
Schaffen die Hersteller die Auflagen nicht, müssen sie nach dem Willen der Kommission gestaffelt von 2012 bis 2015 progressive Strafen zahlen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dazu: "Der Vorschlag zeigt, dass die EU sich als weltweiter Vorreiter bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes fühlt." Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte den Vorschlag mit den Worten, dass diese Gesetzgebung Europas Autoindustrie anspornen werde, in neue umweltfreundliche Technologien zu investieren.
Als Trostpflaster wurde aufgezeigt, die Autofahrer würden sich durch die moderneren Motoren und andere Maßnahmen "mehr als das Doppelte" an Treibstoffkosten ersparen. Experten der EU-Kommission rechnen damit, dass der reduzierte Treibstoffverbrauch im Schnitt zu einer Einsparung von 2700 Euros pro Lebensdauer eines gekauften Autos führen würde.
