Liechtenstein hat ca 32.000 Einwohner (wovon fast 50% in der Finanzwirtschaft beschäftigt sind), aber 80.000 Unternehmen (wobei manche nur aus einem Briefkasten in einer Treuhandkanzlei bestehen). Ein imposantes Verhältnis. Den Weltrekord hält wohl ein vergleichsweise einfaches Bürogebäude auf der Insel Cayman, in Georgetown. Es dient als Adresse für etwa 10.000 Unternehmen.
Eine ausführende Tätigkeit dürften die wenigsten dieser in Steueroasen angesiedelten „Unternehmen“ ausüben. Der Charme dieser Ansiedlung besteht vordergründig im Einsparen von Steuern. Viele der karibischen Eilande haben lästige Dinge wie Einkommen- oder Vermögenssteuern gleich abgeschafft, andere, wie etwa Liechtenstein, sehen Steuersünden als schlichte Verwaltungsdelikte (wie etwa Falschparken) und sehen deshalb auch keinen Grund, mit ausländischen Behörden zu kooperieren.
Vermögende Privatleute benötigen, wenn sie den hohen Steuern im Heimatland entkommen wollen, nicht einmal einen der berühmten Briefkästen. Eine nette kleine Stiftung in Liechtenstein (oder auch in Österreich) tut es ebenso wie ein Konto im Steuerparadies. Wer allerdings seinen Hauptwohnsitz nicht ins Steuerparadies verlegt, bleibt trotzdem im Heimatland steuerpflichtig. Deutsche dürfen sich beispielsweise maximal 183 Tage im Jahr in Deutschland aufhalten, wenn sie den hohen heimischen Steuern entgehen wollen.
Wer also weiter im Heimatland leben will (oder, was auch vorkommen soll, Geld zweifelhafter Herkunft besitzt) muss, sein Geld heimlich auf ein verschwiegenes Steuerparadies-Konto schaffen. Bei Liechtenstein-Banken soll es gar nicht so selten sein, dass Kunden ihr Geld nicht überweisen, sondern im Koffer abliefern.
In Sachen Geldwäsche kooperieren die Banken des Fürstentums unterdessen mit den Geldwäschejägern der OECD, weshalb das Geld „sauber“ sein sollte.
Ungemütlich soll es für „Steuerflüchtlinge“, die vor Behörden etwas verbergen wollen (etwa weil sie nicht ins Steuerparadies umziehen) jetzt werden. Unter dem Druck der USA und neuerdings auch der EU haben viele Steuerparadiese schon Zugeständnisse gemacht. Einige Karibik-Staaten ziehen EU-Bürgern (so wie übrigens auch Österreich bei EU-Ausländern) automatisch 15 % Quellensteuer (die bald auf 35 % steigen wird) von den Zinsen ab und überweisen das Geld an den Heimatstaat.
Als Auswege dient folgende Variante. Liechtenstein-Banken haben etwa Töchter in Fernost eingerichtet, wo der Zugriff europäischer Steuerbehörden stark eingeschränkt ist. Viel attraktiver als für Private sind Steuerparadiese aber für Unternehmen. Da lassen sich steuerpflichtige Gewinne durch interne Verrechnungen dorthin verschieben, wo weniger Steuern zu zahlen sind, da lassen sich riskante Geschäfte für Bilanzleser unsichtbar in Irland oder unter Palmen parken – und da lassen sich Finanz-Ringelspiele zur Verschleierung von Geldströmen in Gang setzen.
Ein aktuelles Beispiel dafür wird gerade in Wien gerichtlich durchleuchtet. Die Bawag hatte – von Liechtenstein bis in die Karibik – mehr als 60 Stiftungen und Briefkästen eingerichtet, um ihre riskanten Veranlagungs-Geschäfte zu verschleiern.
