VP-Klubchef und Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel plädierte für einen einheitlichen Steuersatz von 25 % für alle Betriebe in Österreich. Eine sogenannte Flat Tax wäre "fair und vernünftig", sagte Schüssel. Derzeit gilt der niedrige Steuersatz von 25 % nur für große Unternehmen. Die ÖVP will auch Mittel- und Kleinbetriebe einbeziehen. Schüssels Vorschlag würde bedeuten, dass auch diese nur noch 25 % Steuer zahlen müssten. Bisher fallen die meisten Kleinunternehmen unter die Einkommenssteuer und zahlen dort - wie die Arbeitnehmer - gestaffelte Steuersätze bis zu maximal 50 %. "Zuerst müssen die Schulden weg, dann kann man die Steuern senken", sagte Schüssel. Die Schulden der Kreisky-Ära hätten seit 30 Jahren ihre Nachwirkungen auf das Budget. Jetzt müsse man innerhalb von zwei Jahren die Steuerentlastung ausarbeiten. Dabei gehe es nicht nur um die Senkung der Lohnnebenkosten. Es müsse auch eine Entlastung des Mittelstands geben.
Die von der ÖVP präsentierten Vorstellungen für eine Flat Tax sind bei SPÖ und Grünen auf Ablehnung gestoßen. Laut dem SPÖ-Finanzsprecher würde der Vorschlag von Schüssel zu einer Steuererhöhung für die Mehrheit der Klein- und Mittelbetriebe führen. Profitieren würden nur die Spitzenverdiener unter den Personengesellschaften.
Damit könnte ein Steuergeschenk in der Höhe von 200 Mio Euro für Top-Verdiener verbunden sein. Vom Flat-Tax-Modell würden angeblich nur die obersten fünf % der 600.000 Einkommensteuerpflichtigen profitieren - mit rund 10.000 Euro jährlicher Steuerersparnis. Und die von ÖVP-Sozialsprecher Werner Amon angedachte Ausdehnung der Flat Tax auf alle Steuerpflichtigen würde das Ende der progressiven Besteuerung von Einkommen bedeuten, wovon Bestverdiener profitieren würden.
Ein konkreter Steuervorschlag kam auch von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Er will nicht nur den Vermögenszuwachs durch Sparbücher oder Anleihen, sondern auch durch Aktien besteuern. Am Termin für die Steuerreform (2010) will Gusenbauer ebenso wenig rütteln wie Schüssel, obwohl dank der guten Konjunktur derzeit weit mehr Steuern fließen als im Budget veranschlagt.
