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US-Militärauftrag für EADS PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Dienstag, 4. März 2008
Am Heimmarkt des US-Flugzeugbauers Boeing landet der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern (European Aeronautic Defence and Space Company, EADS) einen enormen Erfolg. Gemeinsam mit dem US-Partner Northrop Grumman zieht das europäische Unternehmen einen Großauftrag der US-Armee an Land. EADS soll für die amerikanische Luftwaffe 179 Tankflugzeuge der Type KC-30 bauen. Das Auftragsvolumen umfasst eine Gesamtsumme von rund 26,7 Mrd Euro. EADS hat etwa 116.000 Mitarbeiter. Damit gelingt dem Konzern der lang ersehnte Einstieg in den größten Rüstungsmarkt der Welt, der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Boeing dominiert wurde. Die Amerikaner galten auch bei diesem Auftrag als klare Favoriten, dementsprechend empört fielen die Reaktionen aus. US-Militärexperten bezeichneten die Entscheidung des Pentagon als einmalig. Widerstand ist zu erwarten, vor allem, da der Auftrag für EADS nur der erste Schritt am profitablen US-Markt sein könnte.
Die derzeit bestehenden 600 Tankflugzeuge der US-Luftwaffe stammen zum Teil noch aus den 60er Jahren. In den nächsten dreißig Jahren soll die komplette Flotte erneuert werden. Es winken Folgeaufträge in einer Gesamthöhe von 100 Mrd Dollar. Die Gründe für den Zuschlag dürften technischer Natur gewesen sein. Das europäische Tankflugzeug, das auf dem Airbus A330 MRTT (Multi Role Tanker Transport) basiert, ist zwar teuer, aber dafür größer und moderner als das Konkurrenz-Modell. So kann die US-Armee mit dem EADS-Tankflugzeug KC-30 mehr Treibstoff und zugleich mehr Besatzung transportieren. Ein entscheidender Vorteil bei den „mobilen Tankstellen“. Gebaut werden die Flugzeuge in Mobile, im US-Bundesstaat Alabama. Die einzelnen Teile kämen jedoch aus Europa. Künftig will EADS in Mobile auch die Endmontage von zivilen Airbus-Frachtern vom Typ A330 abwickeln. Mit diesem Deal hat EADS-Chef Louis Gallois zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens hat der Rüstungskonzern endlich den Einstieg in den US-Markt geschafft, zweitens verfügt das Unternehmen nun über Produktionsstätten in den USA. Seit Monaten leidet der Konzern unter dem hohen Euro-Kurs. Noch vor wenigen Wochen hatte Gallois die Verlagerung in den Dollarraum als „überlebenswichtig“ bezeichnet.
Der Erfolg für den europäischen Flugzeugbauer war nötig, denn damit kann EADS seine Abhängigkeit von der Tochtergesellschaft Airbus und der zivilen Luftfahrtbranche verringern. In den ersten neun Monaten des Vorjahres erzielte EADS einen Umsatz von 27,7 Mrd Euro. Nur 4,4 Mrd Euro kamen aus dem Militärgeschäft. Bei Boeing ist dieses Verhältnis viel ausgewogener. Die Präsidentin des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, hat eine Untersuchung des US-Milliardenauftrages für Airbus-Tankflugzeuge durch den Kongress gefordert. Die Entscheidung werfe "ernsthafte Fragen auf", hieß es in einer am 03.03.2008 in Washington veröffentlichten Erklärung der demokratischen Politikerin. So müssten beispielsweise die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit untersucht werden und, ob die Folgen für den US-Arbeits-markt ausreichend berücksichtigt worden seien. "Mit Blick auf die Konsequenzen dieser Entscheidung für die Vereinigten Staaten muss die Luftwaffe dem Kongress erläutern, wie sie die langfristigen Bedürfnisse der Streitkräfte und des amerikanischen Volkes erfüllt", erklärte Pelosi weiter. Northrop werde die Maschinen militärisch ausstatten und 2012 an die US-Luftwaffe liefern. Klarerweise hat der Auftrag auch für Österreich, als Zulieferer von Flugzeugteilen weit reichende Folgen und wird so manchen Arbeitsplatz absichern, wenn nicht schaffen.
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 7. März 2008 )
 
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